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VVN-BdA

Dokumentiert: Rede von Gerd Nier auf der Kundgebung zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 2020 in Göttingen

Liebe Kameradinnen und Kameraden, Kolleginnen und Kollegen, Genossinnen und Genossen!

Während der Nazi-Diktatur waren es  Juden und  Sinti und Roma, die aufgrund einer unmenschlichen Rassenideologie erniedrigt, verfolgt und in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Es waren Zeugen Jehovas, die wegen ihrer religiösen Überzeugungen verfolgt wurden. Es waren homosexuelle  Menschen, die gedemütigt und ihrer Freiheit beraubt in den KZs landeten. Es waren  insbesondere Menschen aus den unterjochten osteuropäischen Ländern, die verschleppt, versklavt, und zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Aber es waren von Beginn der Nazi-Diktatur an praktisch alle Kommunistinnen und Kommunisten, viele Sozialdemokraten und Gewerkschafter, die zu Staatsfeinden erklärt, verfolgt, verhaftet und liquidiert wurden.  Es waren nicht vorrangig adlige Generäle, die Widerstand leisteten, sondern es waren tausende von von Arbeiter*innen, die durch Flugblattaktionen, Sabotageakte in der Kriegsindustrie im Untergrund gegen das Nazi-Regime kämpften und damit ihr Leben riskierten und oft auch verloren. Es waren Göttinger Frauen und Männer wie z.B. Lieschen Vogel und Paul Kuhn als Mitglieder der Kommunistischen Partei und Willi Eichler als Kopf des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes, die Widerstand organisierten und praktizierten.

 Nachdem endlich 2003 ein Gedenkstein für die verschleppten Zwangsarbeiter*innen hinter dem Bahnhof  aufgestellt werden konnte, dauerte es noch einmal bis Mai 2017, ehe nun auch ein Erinnerungsstein an die Menschen, die trotz aller Bedrohungen mutig Widerstand gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime geleistet haben, errichtet wurde. Und so stehen wir heute im stillen und dankbaren Gedenken, 75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus hier.

Geschichte wiederholt sich nicht,  hört man häufig aus dem Munde von Historikern und Politikern. Das mag bedingt stimmen, wenn man sie 1 : 1 gegenüberstellt. Aber aus der Geschichte müssen wir lernen, wir müssen uns ihr stellen. Und deshalb gilt für uns und mich unveränderlich der Schwur von Buchenwald: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens ist unser Ziel“, und er gewinnt angesichts des Erstarkens rechtsextremer, faschistischer und rassistischer Bewegungen in vielen Staaten Europas und auch bei uns traurige Aktualität.

NSU, Pegida, AFD, neonazistische Kameradschaften und sogenannte Freundeskreise diskriminieren, verfolgen, verletzen Flüchtlinge und machen selbst vor dem Töten von Migrant*innen nicht halt. Sie diffamieren und verprügeln Linke, sogenannte Gutmenschen und Andersdenkende. Sie propagieren unverhohlen rassistische Parolen, fühlen sich als Vollstrecker des sogenannten Volkswillens. Sie stellen wieder Menschen auf die Stufe von „Drecksvieh“, wie es z.B. Lutz Bachmann macht.

Und die Brandstifter im wörtlichen und übertragenen Sinne treten nicht nur in Springerstiefeln und mit polierter Glatze auf. Sie hetzen, pöbeln und verunglimpfen auch im Nadelstreifenanzug, wie Höcke, Kalbitz, aber auch Gauland. Es sind längst die Biedermänner und -frauen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft, die die Islamophobie schüren, die Toleranz und Humanität schmähen, die Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in ihren Aufmärschen propagieren. Aus dieser Mitte sticht z.B. auch immer wieder die Mitregierungspartei CSU mit perfiden Äußerungen hervor. Und gesellschaftliche Gruppen, die sich zu dieser Mitte zählen, beteiligen sich aktiv daran, der VVN /BdA die Gemeinnützigkeit zu entziehen.

Anbiedern statt offensiver Auseinandersetzung, kuschen statt argumentativ dagegen zu halten ist keine politische Antwort auf ihre Hassreden, Menschenverachtung und Demagogie.

Unsere Gegenwehr kann nur sein, dass wir die  menschenverachtenden, inhumanen und antisozialen Denkmuster der AfD aufdecken.  Dass wir aufzeigen, dass die AfD keine soziale Partei für die kleinen Leute ist, wie sie vorgibt. Die AfD polemisiert aktiv gegen einen akzeptablen Mindestlohn, gegen eine höhere Besteuerung der Superreichen und eine faire Erbschaftssteuer, gegen Hartz-IV-Empfänger*innen und gegen eine gerechtere Bildungspolitik, das ist mehr als antisozial. Wer aber den Nationalsozialismus als „Fliegenschiss der Geschichte“, und das Holocaust-Mahnmal als „Mahnmal der Schande“ bezeichnet, verhöhnt nicht nur die millionenfach durch Nazis ermordeten Menschen, sondern offenbart, in welchen Fußstapfen er weiter marschieren möchte.

Wir als Antifaschist*innen und Linke halten dem entschieden entgegen: Nie wieder Faschismus! Hoch die internationale Solidarität! Kampf den Unterdrückern und Despoten! Selbstbestimmung und Freiheit für alle Völker und Menschen auf dieser Welt. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Wir bekennen uns zur deutschen Verantwortung gegenüber den Verbrechen und Gräueln der Nazis.

Wir gedenken der Abermillionen Toten, gefolterten und entrechteten Menschen während der Nazidiktatur.

Wir danken  all den Menschen und Nationen, die uns unter eigenem hohen Blutzoll vom Faschismus befreit haben. Wir wollen, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung endlich auch die gebührende Anerkennung durch unseren Staat erhält, indem er zum Feiertag erklärt wird.

Auch hier in Göttingen wollen und müssen wir weiterhin gemeinsam den Widerstand gegen die braunen Rattenfänger formieren.

Wir sind es den Frauen und Männern schuldig, die sich der unmenschlichen Herrschaft der Nazis entgegengestellt haben. Wir sind es den Völkern schuldig, die uns vom Nationalsozialismus befreit haben. Wir schulden es aber auch unseren Kindern und Enkelkindern, sie vor neuen Kriegen, Volksverhetzung, Rassenwahn und faschistischen Ideologien zu schützen. Deshalb wollen wir den 8. Mai im öffentlichen Bewusstsein halten. Denn es gilt nach wie vor und universell:

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!


Kontakt

Peter Strathmann
Email: walter.noobsch.kpf (at) gmx.de

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Die Plattform tritt sowohl für kurz- und mittelfristig angestrebte Verbesserungen im Interesse der Nicht- und wenig Besitzenden innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft als auch für den Sozialismus als Ziel gesellschaftlicher Veränderungen ein.

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